Gebt den Genozid Opfern ein Lächeln!

Phnom Penh 2014. Ich sitze in einem der vielen Backpacker Bars und Guest Houses an der Riverside. Dort trifft man viele interessante Leute aus aller Welt. Der Freak aus den Staaten sieht so aus, als müsste er sich einen Dollar leihen. Erst am Schluss erfahre ich, dass er Techniker bei der NASA ist und die Antriebe mit konstruiert. Cool.

Und dann ist da noch eine Britin, blond, jung, hipp und so richtig alternativ. Nennen wir sie Lisa. Lisa ist seit drei Tagen in Kambodscha und findet wirklich alles so richtig cool und hipp hier, besonders sich selbst. Ein kleines Mädchen kommt vorbei mit bunten Armbänder – 1$ das Stück. In Solidarität mit der Kleinen kauft sie natürlich eins. Tatsächlich hat sie sich gerade mit einer Mafia solidarisiert, die diese Kleinen zum Kasse machen in Gangs losschicken.

„Du hast gerade ein Armband vom Kinderbaum gekauft“, sage ich ihr. „Oh, Kinderbaum? Das ist cool, ja, ein Baum für Kinder. Man könnte gar nicht genug davon haben“. Lisa fühlt sich gleich noch viel besser. Ich sage ihr nicht, was der Kinderbaum war. Es hat keinen Zweck. Selbstverliebte Menschen sind meistens beratungsresistent.

Auschwitz. Irgendwann gestern oder heute. Hunderte Menschen strömen regelmäßig in die Gedenkstätte des Unvorstellbaren. Vor dem Eingang sitzen Verkäufer, die als Andenken ein Büschel Haare der Geschändeten verkaufen. Sie sind natürlich nicht authentisch, aber das wird nicht verraten. Dann noch eine kleine Galerie mit Bildern der Insassen. Kunstvoll aufgearbeitete alte SW Fotos qualvoll Ermordeter in Farbe, mit einem T-Shirt, das an die Benetton Werbung erinnert. Das grauenvolle Leiden in ihren Gesichtern würde im Kontext verstörend wirken. Auch Benetton hat das nie gemacht(?). Also photoshoppen wir ihnen noch ein fröhliches Lächeln ins Gesicht. Cool.

Wäre das wirklich so, hätten es die Bilder und Haare bestenfalls in die Akte der Staatsanwaltschaft geschafft und der Ordner hätte die Überschrift: Matt Loughrey. Das ist ein irischer Fotokünstler, der statt Staatsanwaltschaft Kambodscha gewählt hat. Da geht das und die VICE News lobte den Künstler sogar aus. Ein Shitstorm der Entrüstung bricht gerade los. Denn das Pol Pot Regime war mit seinen KZ’s das Pedant zum Holocaust. Bitte lächeln. Negativ Werbung ist auch Werbung.

Aber auch die Kambodschaner sind recht beratungsresistent und müssen begreifen, dass es nicht reicht immer mit dem Finger auf das Ausland zu zeigen, wenn so manch Kambodschaner jener Nazi Gesinnung einen Nährboden gibt und einlädt. Die kambodschanische Regierung hat es bis heute nicht geschafft zwei etablierte Hetzer Foren zu schließen. Die Kambodschaner fühlten sich zu recht verletzt. Vielleicht sollten sie aber auch mal darüber nachdenken, ob sie nicht andere verletzen.

Zu dem „Kunstprojekt“ wurde eine Petition gestartet, die in sechs Wochen eine Millionen Unterzeichner haben sollte.

Bitte teilen und unterzeichnen!

Update 12.04.2021:
VICE hat den Artikel gelöscht und sich entschuldigt. Matt Loughrey noch nicht. Der „Künstler“ ging durch alle Kanäle der Welt. In manchen Kreisen wird er jetzt geliebt und gut bezahlt.

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